Ein langer Kommentar zu „Hitlers chinesische Familie“

<ein Gastbeitrag von 乡下人进城 (anonym)>

Anmerkung: Der folgende Text ist eine Reaktion auf den am 27. Juni 2012 auf doppelpod.com veröffentlichten Artikel „Die Geschichte von Hitlers chinesischer Familie“. Er ist anonym auf dem Sina-Blog von 乡下人进城 (ein Landbewohner zieht in die Stadt) erschienen und der Betreiber des Blogs hat zugestimmt, dass der Text hier veröffentlicht werden kann.

Die komische Hitler-Verehrung bei manchen Chinesen hängt sicher mit fehlenden historischen Kenntnissen zusammen. Persönlich Erfahrenes spielt dabei aber ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch wenn viele meiner Landsleute Deutschland sympathisch finden, ist Deutschland von China doch weit entfernt und man hat deshalb kaum persönlichen Zugang. Was man an Deutschland erleben konnte, war lange Zeit nur das legendäre „Made in Germany“ bzw. irgendeine alte Legende darüber. Ich kann mich z.B. bis heute an einen Spruch meines Großvaters erinnern: „Deutsche sind anständige Leute. Sie zahlen gut, wenn man ordentlich arbeitet. Die Japaner aber, die sind alle Schweine!“ Er war in seinen jungen Jahren Eseltreiber und hatte sowohl Deutsche, die in der Gegend ein Kohlenrevier besessen hatten, erlebt, als auch später die Japaner, die das Kohlenwerk besetzten. Als er mir seine Ansichten erzählte, kam ich gar nicht erst darauf, diesem Schwarz-Weiß-Bild irgendetwas entgegenzusetzen. Denn ich wusste zwar vom bösen Nazi-Deutschland, doch es war für mich nichts weiter als der abstrakte Begriff „Faschismus“ und ein paar Daten, die in keiner Verbindung zu mir standen. Japan war hingegen etwas Anschauliches: das war das Massengrab, das die japanische Besatzung im Kohlenrevier hinterlassen hatte. Darin lagen Schicht über Schicht Skelete von Zwangsarbeitern. An den Überresten konnte man teilweise erkennen, auf welche Weise sie gequält getötet worden waren.

Später, als die Reform- und Öffnungspolitik sich umzusetzen begann, wurde auf die chinesisch-japanische Freundschaft geschworen und das Massengrab wurde zugeschüttet. Trotz Freundschaftspropaganda änderte sich mein Japan-Bild nicht. Im Gegenteil, die Antipathie gegen Japan wuchs, und wächst noch immer. Von Japan ist kein Willi-Brandt-Kniefall gekommen, nicht einmal eine offizielle Bitte um Entschuldigung. Unter den Japanern, die ich kennengelernt habe, sind diejenigen Ausnahmen, die etwas Genaueres über die Verbrechen der japanischen Armee in China wissen. Zugleich ist aber auch der Unmut gegen die chinesische Regierung gewachsen, denn Verbrechen gegen die Menschlichkeit muss man rechtlich aufarbeiten und man kann sie nicht einfach mit Freundschaftsbeteuerungen zudecken. Umso mehr ärgere ich mich, wie ein Japaner wie 加藤嘉一 sich in China erlaubt, in aller Öffentlichkeit Kriegsverbrechen der japanischen Armee zu verharmlosen – dafür hat er sogar Unterstützer bekommen, in China selbst!

Und das Deutschland-Bild? Es hat sich differenziert und ist vielschichtiger geworden. In Deutschland bin ich Liebhaber der deutscher Sprache und Literatur geblieben, aber das Nazi-Deutschland ist nicht mehr abstrakt. Nicht nur ehemalige KZ habe ich besichtigt, sondern auch Holocaust-Überlebende oder ihre Nachfahren habe ich kennengelernt, selbst mit Nachfahren von dieser oder jener Nazi-Größe habe ich gesprochen. Wenn man so was erfahren hat, kann man einen Hitler nicht mehr verehren, selbst wenn so manche Stellungnahmen des Zentralrats der Juden in Deutschland zu irgendeinem Anlass nerven. Wenn man dazu dann auch noch die Tagebücher von einem Victor Klemperer liest, zerplatzen so manche Legenden über die Nazi-Zeit von selbst.

Andererseits, wie Deutsche die Hitler-Verehrung in China verwunderlich finden, finde ich es genauso verwunderlich, wie wenig man in Deutschland über die japanischen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg weiß. Ich frage mich manchmal, ob die Deutschen in Japan immer noch das „Land des Lächelns“ sehen und ob sie noch immer japanische Kultur hochjubeln, wenn sie nur wüssten, wie japanische Unternehmen bzw. ihre Vorgängerunternehmen zu ihrer verbrecherischen Geschichte stehen. Noch mehr wundere ich mich, warum so demokratisch aufgeklärte Deutsche ausgerechnet einem Gottkönig und Ex-Sklavenhalter so eifrig hinterherlaufen. So scheint es mir, dass es in beiden Ländern, wenn auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen, doch an Wissen und Informationen mangelt. In beiden Ländern gibt es z.B. kaum Informationen darüber, dass solche Zen-Meister wie Suzuki Daisetsu 铃木大拙, der nicht nur von Heidegger hochgelobt wurde, sondern auch zusammen mit Erich Fromm das einflussreiche Buch „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse“ schrieb, sich aktiv am Shinto-Faschismus beteiligten. Nicht besser die Informationslage darüber, dass der Rassenwahn der Nazis seine Wurzel hat nicht nur im Vulgär-Darwinismus, sondern auch im Esoterik-Sumpf einer Madame Blavatsky/Theosophie und eines Rudolf Steiner/Anthroposophie, vor allem aber auch im jahrtausendlangen christlichen Antijudaismus, der durch die Reformatoren wie Martin Luther nur noch verstärkt wurde. Was wir hören, ist, der Zen-Buddhismus sei, wie der Lamaismus auch, friedliebend und gewaltfrei; der Faschismus sei Ungeist des Atheismus und die christlichen Kirchen seien Opfer dieser Gewaltherrschaft.

Es reicht nicht, lediglich zu sagen, dass so etwas mich ankotzt. Wichtig ist, dass einfache Menschen die Möglichkeiten bekommen, sich über ihre eigenen Erfahrungen auszutauschen. Persönliche Kontakte erleichtern oft den Zugang zum Wissen, und Wissen, das ist die einzige wirklich effektive Waffe gegen Dummheit und Vorurteile.

Video-Dialog: “Der Westen muss lernen,das heutige China zu verstehen”

Hier das Video zu der Auftaktveranstaltung der Dialogreihe „Magnet China“ anlässlich des chinesischen Kulturjahres 2012. Unterstützt wird die Dialogreihe von der Bertelsmann Stiftung, der Körber Stiftung und der Robert Bosch Stiftung.

In dem von Frank Sieren moderierten Gespräch unterhalten sich Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Schmidt und Prof. Dr. Gu Xuewu über Demokratie, Menschenrechte, Wirtschaft und andere Fragen (Ausschnitte). Sehr sehenswert!

Das ganze Gespräch als Podcast findet sich hier.

 

 

Das Lächeln der jungen Frau Liu und die Selbstkultur

Es ist nicht lange her, da schwappte eine Welle der Aufregung durch den chinesischen Makrokosmos der Mikroblogs. In einer Fernsehsendung hatten sich zwei ungleiche Kontrahenten über mehrere Runden ganz unverhofft ein verbales Duell geliefert, das streckenweise an Spannung mit einem guten Boxkampf mithalten konnte. An den Computern in ganz China saßen die Punktrichter, die mit ihren 140-Zeichen-Analyen darüber entschieden, wer als Sieger aus dem Schlagabtausch hervorgegangen ist. Das Votum der Mikroblogs war eindeutig: Die junge Frau Liu.

Die überwältigende Mehrzahl der Mikroblogs, in denen derzeit noch in großer Zahl das aufstrebenden Bürgertum seine Stimme findet und zu denen Chinas politische und wirtschaftliche Elite ebenso wie die Landbevölkerung erst langsam einen Zugang entwickelt, votierte in Online-Umfragen für die junge Frau und sympathisierte mit ihrer direkten, an Dreistigkeit grenzenden Schlagfertigkeit. Und halb China versuchte sich an der Analyse dieser für chinesische Verhältnisse sehr offenen Konfrontation. Hier nun meine Analyse.

Zunächst die Vorgeschichte: Auf einem Tianjiner Fernsehsender, der auch überregional zu empfangen ist, war eine neue Show angelaufen, in der junge Menschen auf der Suche nach beruflicher Veränderung sich den harten Fragen einer Jury aus erfolgreichen Geschäftsleuten stellen müssen. Die Show funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie DSDS und all die anderen Mittelmaß produzierenden Durchlauferhitzer fragwürdiger Talente. Auch die chinesischen Fernsehsender setzen bei der Unterhaltung auf die demokratischen Entscheidungen des Publikums, wenn es darum geht, Ausschau zu halten nach originellen Gesangsstimmen und perfekten Modellmaßen. Und wie überall sonnen sich die Teilnehmer für kurze Zeit in ihrer landesweiten Popularität, um dann alsbald wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Der größte Unterschied zwischen der deutschen und der chinesischen Casting-Industrie besteht derzeit jedoch darin, dass die chinesische Unterhaltungsbranche kaum Anstalten macht, die in Deutschland üblichen, sadomasochistisch geprägten Elemente dieser Fernsehgattung zu kopieren. In China gibt es keine Unterhaltungssendungen, derer Prinzip es ist, die Entwürdigung und Erniedrigung medial inszenierter Verlierertypen als postsatirisches Schauspiel zu vermarkten. Auch die niedersten aller Mediengeschöpfe, jene Moderatoren, die Mobbing, Schadenfreude und Beleidigungen unter dem Deckmantel der Ironie zu gesellschaftlicher Akzeptanz verhelfen, gibt es in China nicht. Vielleicht muss man sagen: Noch nicht.

Nicht, dass es in China keinen Spott gäbe, der sich über die Skurrilen und Verkorksten ausschütten lässt. Das chinesische Internet ist voll von Selbsdarstellern, die sich vollkommen freiwillig auf der Suche nach ein wenig Ruhm an den virtuellen Pranger stellen, bloß um von der Internetgemeinde mit Schmutz beworfen zu werden. Aber im Staatsfernsehen, in dem sich die Kräfte des Marktes nur in den Werbepausen ein wenig austoben können und die oft brutale Realität Chinas nur selten hinter den Weichzeichner-Orgien der Fernsehregisseure hervortritt, da gibt es für die Schande keine Öffentlichkeit. Auch in den Talk-Shows tragen die Menschen, die sich seelischen entblößen und die dadurch Opfer ihrer eigenen Lebenswelt werden könnten, sehr oft Masken, damit sie nicht erkannt werden.

Nun könnte man annehmen, dass Zhang Shaogang, der Medienprofi, der auch schon als gestrenges Jury-Mitglied einer Casting-Show für Nachwuchsmoderatoren in Erscheinung getreten ist, in der Fernsehsendung “Feichang Moshu (非你莫属)“ einfach ein bisschen Krawall anzetteln wollte und die mediengerechte Kontroverse bewusst gefördert hat, als er die junge, selbstbewusste Kandidatin Liu Lili abstrafte, wie ein unangenehmer Oberlehrer eine aufsässige Siebenjährige. Vieles spricht jedoch dafür, dass es Zhang Shaogang nicht auf den bloßen Show-Effekt angelegt hat, als er die Fernsehsendung zu einem Gerichtshof über Liu Lilis Lebenseinstellung werden ließ. Vieles spricht dafür, dass es sich um einen „echten“ Konflikt gehandelt hat.

Der Konflikt, der zwischen den beiden ausgetragen wurde, ist vielleicht auch ein Konflikt, der etwas über die nationale Psyche Chinas zu Tage gefördert hat, das wie ein verdrängtes Kindheitstrauma die moderne chinesische Gesellschaft begleitet. Ich denke, dass Liu Lilis Auftreten, das für jüngere Menschen in China in keiner Weise ungewöhnlich ist, einen Bruch mit der herkömmlichen Einstellung der Chinesen zum westlichen Ausland darstellt. Es geht im Grunde aber auch um eine viel tiefer gehende Frage.

Chinas junge Generation lebt seit frühester Kindheit in engem Kontakt mit ausländischen, kulturellen Erzeugnissen und viele haben eine enge, emotionale Bindung zu nicht originär chinesischen Lebenseinstellungen entwickelt. Die spannende Frage, die sich mir stellt, lautet, ob diese Jugend in der Zukunft weiterhin dem Bedürfnis der älteren Generationen nachkommen wird, die Welt fast zwanghaft aus chinesischer Perspektive wahrzunehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich genug über China weiß, um mir die Rolle eines Psychiaters zuzutrauen, aber was soll’s. Ich nehme ja kein Geld dafür.

Die 24-jährige Liu Lili hat in ihrer Kindheit drei Jahre in Neuseeland verbracht und offensichtlich hat diese Zeit sie sehr geprägt. Sie stammt aus der Provinz Hubei und stellt sich zu Beginn der Sendung selbst vor. Sie hat an der Fremdsprachenhochschule in Beijing einen Bachelor in Englisch gemacht und sagt über sich selbst, dass es ihr positivster Charakterzug sei, die Dinge direkt beim Namen zu nennen.

Direktheit als positiver Charakterzug einer Chinesin? Wenn es eines gibt, das Chinesen, besonders die Frauen normalerweise als ungehobelt ablehnen, dann ist es doch die Geradlinigkeit und Direktheit. Was die Chinesen gern als “Hanxu (涵蓄)“ bezeichnen und womit viele auch mit Stolz die chinesische Kommunikationskultur charakterisieren, ist eine Indirektheit, die es gerade Ausländern sehr schwer macht, sich in der Gedankenwelt der Chinesen zurecht zu finden. Liu Lili will das nicht. Sie will direkt sein.

Ansonsten erscheint Liu Lili zunächst als normale junge Frau, die erzählt, dass sie manchmal auch auf den eher trashigen Look (臭美) steht, gerne Shakespeare liest, aber am allerliebsten in den Mikroblogs surft. Sie sieht sich selbst als „Workaholic“, nimmt das Leben jedoch auch nicht zu schwer.

Der Moderator der Show scheint jedoch von Anfang an keinen besonderen Gefallen an ihrem Auftreten zu finden. Als Liu Lili mit den Moderatoren in eine Art Streitgespräch gerät, ob sie nicht doch eher die Sonette von Shakespeare meint, die es ihr angetan haben und nicht die „Helden-Couplets“, von denen auch die Jury noch nie etwas gehört hat, fällt sie bei der Erklärung kurz ins Englische. Sie sagt „It’s kind of like…“.

Auch wenn man das Gefühl hat, dass Liu Lili ein wenig mit ihren Englischkenntnissen und ihrem Auslandsaufenthalt im fernen Neuseeland kokettiert, so wirkt es auf mich noch lange nicht so affektiert wie die Gespräche, die man oft in den Einkaufzonen der Großstädte mitverfolgen kann. Shanghais und Beijings „Upper-Nose-Class“ hat es sich doch schon lange zur Sitte gemacht, englische Worte und ausländische Urlaubsaufenthalte in Gespräche zu streuen wie Schokoladenstreusel auf den Cappuccino von Starbucks. Über dieses Phänomen lacht man sich im Internet seit längerem kaputt und keiner hat es besser auf den Punkt gebracht, als die landesweit bekannte Schwester „hold住“ , die grell geschminkt in einem bizarren Chinglisch von ihrem Shopping-Trip in Paris berichtet.

Auch wenn die chinesische Regierung im letzten Jahr beschlossen hat, das lateinische Alphabet aus Zeitungstexten herauszuhalten, sieht die sprachliche quasi-bilinguale Realität der Großstädte doch ganz anders aus. Das junge China jedenfalls liebt den Mix mit dem Ausland ebenso wie das klassischste aller chinesischen Club-Getränke: schottischen Whisky mit grünem Eistee.

Aber der Moderator Zhang Shaogang hält nichts von Mischungen. Er ist Chinese, und im Verlaufe des Gespräches sieht er es offenbar als eine Art Dienst am Vaterland, auch Liu Lili daran zu erinnern, dass Chinesen nicht aus ihrer Haut können. Denn als Liu Lili über ihre Zeit in Neuseeland berichtet und erzählt, dass sie nicht zu lange von China fortbleiben könne, weil in Neuseeland der Lebensrhythmus einfach zu langsam ist, wird der Moderator zum Oberlehrer des chinesischen Nationalstolzes.

Hier der Dialog:

Moderator (finster): „Warte mal, warum habe ich das Gefühl, dass es mir kalt den Rücken herunterläuft, wenn ich mich mit dir unterhalte? Wenn ich mit meinen Freunden spreche, frage ich sie wohl kaum ´Hallo, was hältst du eigentlich von China?` Das ist unser Land. Wenn wir in der Heimat sind, müssen wir dann noch darüber sprechen, als wäre es ein Eigenname (用大写来称呼) ?“

Liu Lili: „Wenn Sie über China sprechen und das Wort ´Heimatland` benutzen, ist das doch auch ein Eigenname.“ (Das Publikum raunt)

Moderator (sauer): „Ich sage: ´Wir hier`“

Liu Lili: „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass man sich hier etwas gewählter ausdrücken sollte. Darum habe ich dieses rhetorische Mittel gewählt. Ich sieze sie ja schließlich auch.“

Moderator: „So, wie du mit mir sprichst, lässt es mich wieder kalt erschaudern. Zuerst sei bitte nicht so verkrampft und als nächstes: Sprich einfach normal, OK?“

Im weiteren Verlauf des Gespräches weist der Moderator Liu Lili noch mehrmals zurecht und kritisiert ihre Aggressivität. Liu Lili hingegen fühlt sich von den Fragen des Moderators und auch von der Jury angegriffen und unter Druck gesetzt. In einer Szene wird sie aufgefordert, sich doch auch mal von ihrer natürlichen Seite zu zeigen und zu lächeln. Als sie das dann tut, ist sich der Moderator nicht zu schade, ihr Lächeln als „gruselig“ zu beschreiben.

Auch in keiner der weiteren Diskussionen hält Liu Lili es für angebracht, auf die Kritik reuig und demütig zu reagieren, sondern stuft die Kritik ihrerseits als unangemessen ein. Und ein Aspekt fällt auf: Die Kritik der Juroren bezieht sich in keinem der Fälle auf ihre Fähigkeiten. Stattdessen sind sie der Auffassung, Liu Lili habe ein Problem mit ihrer Einstellung. Sie sehen es als Affront an, dass Liu Lili dieses Vorstellungsgespräch nutzt, ihre Schlagfertigkeit und ihre Wehrhaftigkeit unter Beweis zu stellen. Liu Lili verlässt die Show, nachdem das einstimmige Votum der Jury entschieden hat, dass sie als Mitarbeiterin absolut ungeeignet ist. Ein Juror ergreift kurz das Wort für sie und erklärt die aktuelle Missstimmung mit kulturellen Unterschieden, die er Liu Lilis Auslandserfahrung zuschreibt. Aber am Ende knipst auch er das Licht aus.

Wie komme ich nun darauf, diesen Zwist so weit auszulegen, dahinter mehr als nur die Animositäten eines selbstverliebten Moderators und einer mit der Herde blökenden Schafs-Jury zu sehen? Nun, der Satz, der den Moderator so sehr aufgeregt hat, dass er seiner Moderatorenrolle in keiner Weise mehr gerecht wurde, war Liu Lilis politisch inkorrekter Satz, der nicht mit „Wir Chinesen…“ begann. Sattdessen beschreibt Liu Lili China mit einer gewissen Distanz, die fast schon einen Tabubruch in der chinesischen Gesellschaft darstellt.

Chinesen sprechen über ihre Landsleute so gut wie nie in der dritten Person. Die Deutschen können das sehr gut (wie dieser Satz zweifelsfrei belegt) und tun sich oft eher etwas schwer, sich als Kollektiv zu verstehen; in China ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Für diesen Kollektivierungsdruck, der die nationale Identität Chinas begleitet, finden sich im Alltagsleben und in politischen Entwicklungen in China viele Anzeichen.

Ich denke, dass die Situation ein wenig vergleichbar ist mit der Situation in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Die Generation meines Großvaters weigerte sich noch vollkommen, die Lebens- Arbeits- und Essgewohnheiten, die plötzlich nach Deutschland schwappten, zu akzeptieren. Man konstruierte ein Deutschlandbild, das an der Realität der jungen Menschen, die mit Coca Cola und dem „American Way of Life“ als Teil ihres Lebens groß geworden sind, vollkommen vorbei lief. Dieses Bild hielt sich nicht sehr lange. Wenn die deutsche Kultur nicht in der Lage gewesen wäre, auch Elvis, Marylin Monroe und die Beatles in ihren Kanon aufzunehmen, dann hätte sich die Jugend von ihr abgewandt.

Ich behaupte keinesfalls, dass die Geschichte von Liu Lili nur unter diesem Aspekt gedeutet werden kann, aber sowohl in ihrer spontanen und direkten Art, ihrer Biographie als auch in ihrer Sprache – bei dem Namen Shakespeare geht ihr das Englische Original deutliche flüssiger von den Lippen, als die korrekt sinisierte Lehnübersetzung Shashibiya (莎士比亚) – stellt Liu Lili ihre Identifizierung mit dem Ausland unter Beweis, die vielen Chinesen suspekt ist.

Die aktuelle Kulturpolitik Chinas, die immer stärker betont, den chinesischen Charakter der Kultur vor ausländischen Einflüssen zu bewahren, spricht eine ähnliche Sprache. Aber – und das ist denke ich der Kern dieses Konfliktes – die Abschottungsbemühungen und die Besinnung auf das genuin Chinesische, deuten wohl eher auf ein unterbewusstes Wissen um den Verlust der Anziehungskraft des chinesischen Kollektivwesens traditioneller Prägung hin. Kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen lassen sich nur sehr schwer durch Restriktionen beeinflussen. Eventuell ist es möglich, durch Tabuisierungen von Lebens- und Denkweisen für eine Weile zu verhindern, dass eine Strömung zu einem Strom wird. Auf lange Sicht aber sind sowohl Politik als auch die versammelten Traditionsbewahrer recht machtlos, gesellschaftliche Veränderungen und kulturelle Durchmischungen zu verhindern, insbesondere wenn der Gral, den sie hüten, seinen Glanz verloren hat.

Welcher chinesische Jugendliche wird denn davon abzuhalten sein, über die Frechheiten, die direkte Art des Humors und die Dreistigkeit der Comic-Figuren im „Kungfu-Panda“ zu lachen, wenn die chinesische Variante ein uninspirierter und schlecht animierter Kungfu-Hase mit öden Gags ist. Das chinesische Wir-Gefühl wird nur dann in der Globalisierung seinen Platz finden können, wenn es flexibler wird und fremde Einflüsse auch auf kultureller Ebene als etwas Gutes anerkennt.

Falls irgendeine Knalltüte auf die lustige Idee kommen sollte, diesen Text ins Chinesische zu übersetzen, um mir eine Horde der immer noch zahlreichen, nationalstolzen Internetkaputtnicks auf den Hals zu hetzen, hier noch mal Klartext: Ich will hier keinesfalls der Überlegenheit der westlichen Kultur das Wort reden. Im Gegenteil – ich bin eher der Meinung, dass der gesellschaftliche Eskapismus, die Verabsolutierung der Ironie und ein falsch verstandener Liberalismus große Teile der westlichen Populärkultur zu einer von Zynikern bewohnten, intellektuellen Wüste verwandelt hat, in der selbst bei Regen oft nur noch Unkraut gedeiht. Die Chinesen sollten einen Teufel tun, so etwas Unsinniges wie beispielsweise das Privatfernsehen westlicher Prägung zu vermissen, denn Trash braucht keine Öffentlichkeitsarbeit.

Aber: Gute Dinge sind gut, egal aus welchem Land sie kommen. Schlechte Dinge sind schlecht, egal wer sie sich ausgedacht hat. Dinge vermischen sich und mit ein wenig Abstand, mit einer gesunden Distanz zu seinem Land sieht man die Dinge besser. Wenn man sich nicht in jeder Hinsicht als Chinese fühlt, dann ist das normal und es wird Zeit, die Idee von China aus der panikartigen Umklammerung seiner konservativsten Kräfte zu befreien. Das gilt im Grunde ja für jede Kultur. Auch bei der deutschen Debatte um die Leitkultur und um das angebliche Multi-Kulti-Desaster wird gerne übersehen, dass der einzige Weg, eine Kultur zu fördern über dessen Weiterentwicklung, Öffnung und Anpassung an die komplexe Wirklichkeit geht. Kulturbewahrung ist immer auch ein aktiver Transferprozess und bedarf der Aktualisierung und einer bewussten Integration von äußeren Einflüssen in das vorhandene Werteumfeld.

Ich habe inzwischen fast zwanzig Prozent meines Lebens in China verbracht und auch wenn ich zu vielem in China keinen emotionalen Zugang entwickle, fühle mich irgendwie zu zwanzig Prozent als Chinese. Daran ändert auch nicht, dass kein Chinese einem Deutschen, der nicht in China geboren ist und der somit kein „Ahne des Drachen“ ist, jemals gestatten würde zu sagen: „Wir Chinesen…“.

Rajvinder Singh hat geschrieben, dass jeder Mensch eine Selbstkultur hat, die uns davor bewahrt, alte Muster bis in alle Ewigkeit fortzuschreiben. Menschen entwickeln aus interkulturellen Erfahrungen, denen wir alle ausgesetzt sind, eine eigene Kultur, die über die kollektive Identität hinausgeht. Nur wenn eine Gesellschaft in der Lage ist, die zunehmend globalisierte Selbstkultur ihrer Menschen in den langen Strom der Geschichte zu integrieren, werden die Menschen auch in Zukunft etwas haben, das sie für bewahrenswert halten.

Ist es nicht seltsam, dass China, eine Nation, die sich mit ihrer ganzen Kraft der Entwicklung und der Idee der besseren Zukunft verschrieben hat, ihre nationale Identität vor allem auf der langen Geschichte und Tradition aufbaut? Manchmal kommt es mir so vor, als laufe China mit großen Schritten in Richtung Zukunft. Weil aber niemand sehen möchte, wie diese Zukunft wirklich aussieht – wie die neue Zeit immer mehr auch den Menschen verändert – hat man sich umgewandt, den Blick in die Vergangenheit gerichtet und läuft einfach rückwärts mit großen Schritten weiter.

Manchmal wird diese Verdrängung sichtbar. Wenn zum Beispiel ein chinesischer Moderator nicht in der Lage ist, auf selbstbewusstes und unabhängiges Auftreten mit Souveränität und sachlicher Kritik zu antworten und stattdessen eine vorgeblich falsche Einstellung zum Anlass nimmt, sich selbst zu erhöhen, wird er es kaum schaffen, dieses „Wir-Gefühl“ zu fördern, das er so vehement einfordert.

Das Ende der Geschichte: Liu Lili hat inzwischen ein Job-Angebot einer großen chinesischen Zeitschrift, deren Verantwortliche ihre Eigenständigkeit zu schätzen wissen.

Das wahrscheinliche größte Oktoberfest der Welt – in Beijing?

Ich gebe es offen zu. Ich bin kein Bayern-Fan. Ich bin Norddeutscher und wenn ich im Ausland auf bayuwarisches Kulturgut treffe, dann frage ich mich oft, warum es unter allen Volksstämmen in Deutschland denn unbedingt die Bayern und ihre seltsamen Sitten und Gebräuche geworden sind, die rund um den Globus als typisch deutsch gelten. Wie haben es die Bayern nur geschafft, der ganzen Welt beizubringen, dass man in Deutschland Dirndl und Lederhosen trägt und dazu wahlweise die Brunftgesänge eines läufigen Erdferkels ausstößt (Jodeln) oder wie von Sinnen durch die Gegend springt und sich dabei auf Schuhe und Schenkel schlägt (Schuhplattler)? Daher vorweg eine wichtige Botschaft an alle Chinesen: Die Angehörigen des bayerischen Volksstammes sind in Deutschland so etwas wie eine nationale Minderheit, die Dinge veranstaltet, die das übrige Deutschland für äußerst skurril hält.

Da sind wir dann auch endlich beim eigentlichen Thema. Denn auch wenn es keinen Grund dafür gibt, den Bayern zu erlauben, durch ihre weiß-blaue „Corporate Identity Kampagne“ das Deutschlandbild im Ausland zu monopolisieren, so haben sie doch einiges an Erfolgen vorzuweisen. Neben mehreren gut gehenden Autowerken und einem Fußballverein, der sich bei jeder Gelegenheit „Rekordmeister“ nennt, vor allem eines: Das Oktoberfest, das größte Volksfest der Welt.

Das urbayrische Trinkgelage ist unbestreitbar eine der größten Touristenattraktionen Deutschlands, und etwa sechs Millionen Besucher feiern jedes Jahr im frühen Herbst „auf der Wiesn“ bei Bier, Brezn und Schweinshaxn (eine weitere seltsame Angewohnheit der Bayern: das Verschlucken der auslautenden Vokale). Und ebenso wie die schrillen Klänge der Peking-Oper und der Skorpion am Spieß für China-Touristen heute dazu gehören, so ist auch die Besichtigung der überdimensionierten Biergläser, der gegrillten Schweinshaxen und der Oberarme der weiblichen Bedienungen fast schon ein Muss beim Besuch im Land der teutonischen Rumpelriesen.

Das Oktoberfest in München hat auf der ganzen Welt inzwischen Nachahmer gefunden. Eine kurze Wikipedia-Recherche ergab, dass die größten Oktoberfest-Zweigstellen in der kanadischen Stadt Kitchener und in brasilianischen Blumenau eröffnet wurden. Das Bier fließt dort in 600.000 bis 700.000 durstige Kehlen.

Und auch in China gibt es seit längerem „Beer Festivals“ nach deutschem Vorbild. Die ehemalige deutsche Kolonialstadt Qingdao veranstaltet jedes Jahr mit großem Erfolg eine chinesische Variante des Oktoberfestes. Von dort stammt auch das nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Tsingtao-Bier. Die Qingdaoer sind außerdem dafür bekannt ist, dass sie Bier auch gern in Plastiktüten verkaufen und damit durch die Straßen laufen, was einen unbedarften Betrachter zuerst an Urinproben denken lässt.

Investoren haben sich nun jedoch zum Ziel gesetzt, dass China und seine Hauptstadt auch in Sachen Oktoberfest nicht länger in der Regionalliga spielt, und gleich von Null auf Hundert in die Weltspitze einsteigt. Die längsten Brücken und die schnellsten Computer der Welt sind chinesisch. Und wenn China heute das Land mit dem höchsten Bierkonsum auf der Welt ist, da ist es doch nur selbstverständlich, auf diesem Wachstumsmarkt nicht länger zu kleckern, sondern gleich zu klotzen – und zwar richtig. 84.000 Sitzplätze hat die Anlage, die vor den Toren Beijings in der Nähe des Flughafens hochgezogen wurde, in der die Gäste über einen Monat lang bewirtet werden sollen. Die Chinesen wollten natürlich wie immer vom Weltmeister lernen. Daher haben sie für das Vorhaben einen bayerischer Wiesn-Gastwirt engagiert, der mit seiner geballlten Oazapf-Kompetenz beratend zur Seite stand.

Am letzten Wochenende habe ich mir zusammen mit Freunden das Spektakel einmal aus der Nähe angesehen. Die Anlage ist etwas ist schwer zu finden und liegt auf dem Gelände eines leicht verstaubten Vergnügungsparks, in dem man so lustigen Sachen wie Indoor-Krebs-Angeln machen kann.
Dort stehen also die acht wuchtigen Hallen, die teilweise den Charme eines Ersatzteillagers versprühen. Das war allerdings zu erwarten, denn in der Sprache der Chinesen gibt es kein entsprechendes Wort für „Gemütlichkeit“. Warum auch? In ganz China gibt es keine Gemütlichkeit. Was sollte man dann auch mit so einem Wort anfangen? Und Lagerhallenatmosphäre plus Neonlicht sind in China noch lange kein Hindernis für eine Riesengaudi.

Die Hallen, ungemütlich oder nicht, waren aber an jenem Samstagabend zum großen Teil erschreckend leer. In der Mitte der Gebäude, die an die Münchner Festzelte erinnern sollen, spielen chinesische Bands, die durch das in China übliche ohrenschmerz-garantierende Soundsystem und die nackten Betonfußböden eine Geräuschkulisse erzeugen, bei dem sich China-Greenhorns augenblicklich die Fußnägel aufrollen. Aber auch darüber will ich mich nicht beschweren, denn ohne diese Form der Lärmbelästigung wäre das Projekt „Rekord-Oktoberfest“ wahrscheinlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der normale Chinese erwartet schließlich bei jeder feierlichen Gelegenheit eine möglichst krächzende Beschallung – egal ob Hochzeit, Firmenjubiläum oder Straßenfest. Erst wenn für Deutsche die schrillen Töne aus den blechernden Lautsprechern die Grenze zur Körperverletzung überschritten haben, fühlen sich Chinesen so richtig wohl. Es muss halt ordentlich krachen.

In den Hallen bedienen neben einigen angeworbenen jungen Deutschen meist chinesische Kellnerinnen, die in den Trachtenkostümen ebenso lustig aussehen wie ihre männlichen Kollegen, deren Lederhosen aus irgendwelchen Gründen teils mit militärischen Tarnfarbenmustern bedruckt sind. Vergnügt hüpfen ganze Horden von ihnen über das Gelände. Sie scheinen die Veranstaltung für einen riesigen Spaß zu halten – sie haben ja auch jeden Grund dazu. Denn zumindest an diesem Tag gibt es keinen Moment, weder in den Zelten, noch an den Kirmesbuden, noch bei den Fahrgeschäften, in dem auch nur annähernd so viel Gäste zu sehen sind wie kostümierte Angestellte. Keine Spur von Akkordbedienung – wofür die deutschen Zenzis weltberühmt sind.

Das Essen schmeckt recht authentisch, besonders wenn man es mit den sonderlichen aufgespießten Fleischerzeugnissen vergleicht, die beim „Goldenen Hans“ als deutsche Spezialitäten angepriesen werden. Die Haxen, Brathändl mit Sauerkraut und Brezn zum Einheitspreis von 50 Yuan kann man entweder mit Stäbchen essen oder aber die mitgelieferten hygienischen Plastikhandschuhen zur Hilfe nehmen. Auch das Bier enthält scheinbar etwas mehr Hopfen als das durchschnittliche chinesische Erzeugnis und ist dadurch deutlich weniger geschmacksneutral.

Insgesamt habe ich mich auf dem Beijinger Oktoberfest sehr amüsiert. Ich hoffe, dass es keine einmalige Veranstaltung war und die große Gaudi auch im nächsten Jahr stattfinden wird. Ich frage mich nur, ob der Veranstalter und seine deutschen Berater an einer Form von Größenwahn leiden, oder aber eine Zukunftsvision haben, die einfach noch etwas Zeit braucht, um in den Köpfen und Herzen der Chinesen einen Platz zu finden. Ganz nach dem Motto: „Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit.“

Wenn man jedoch eine Anlage baut, bei der im Laufe des Monats etwa drei Millionen Gäste bewirtet werden sollen, ist das schon ein sehr gewagtes Projekt. Eine Maß Bier kostet auf dem Beijinger

Bierfest mit 90 Yuan (9,67 Euro) rund einen Euro mehr als beim Münchner Original (ca. 8,60 Euro). Ich bin nicht ganz sicher, ob in der Stadt derzeit überhaupt so viele Menschen leben, die zumindest theoretisch bereit wären, diesen Preis für ein Bier zu bezahlen. Ich kenne kaum welche. Nur zum Vergleich: Eine Flasche Tsingtao (0,6 Liter) kostet in kleineren Restaurants etwa 3 Yuan.

Daher mein Tipp für das nächste Jahr: Die Preise halbieren und insgesamt deutlich tiefer stapeln. Man könnte zum Beispiel einige der Hallen einfach wieder abreißen oder zum Indoor-Krebsangeln verwenden. Dann sähe es vielleicht nicht mehr so sehr nach „Größenwahnsinniger Investor greift vergeblich nach dem Oktoberfestmonopol in China“ aus. Aber wie gesagt, ich hab mich köstlich amüsiert und ich bin gespannt wie es weitergeht mit dem „größten Oktoberfest der Welt“.

Und das liegt nicht daran, dass ich unbedingt dabei sein möchte, wenn die Bayern dieses Auswärtsspiel verlieren sollten – bestimmt nicht. Und wenn sie dann doch scheitern, dann springe ich gerne ein. Ich sehe schon die Schlagzeilen, die rund um den Globus gehen: Der größte Fischmarkt der Welt steht jetzt in Beijing.

Was ist Aufklärung?

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit bedeutet, dass jemand nicht fähig ist, seinen eigenen Verstand ohne die Leitung eines anderen zu benutzen. Selbstverschuldet bedeutet, dass diese fehlende Fähigkeit nicht durch einen Mangel an Verstand begründet ist. Stattdessen fehlt es an Mut und Kraft, den eigenen Verstand ohne die Leitung eines anderen zu benutzen. Sapere aude! Riskiere es, dich über die Welt zu informieren! Habe Mut, deinen eigenen Verstand zu benutzen.

Der Mensch hat sich von der Macht der Natur befreit und lebt nicht mehr unter ihrer Kontrolle wie ein Tier. Heute ist es die Faulheit und Feigheit, die dazu führt, dass viele Menschen ihr ganzes Leben lang unmündig bleiben. Faulheit und Feigheit sind der Grund, warum viele Menschen von anderen Menschen kontrolliert und gesteuert werden. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

  • Habe ich ein Buch, in dem die Welt erklärt wird, dann brauche ich nicht meinen eigenen Verstand benutzen.
  • Kenne ich einen klugen Menschen, der mir das gute Leben erklärt, dann brauche ich meinen Verstand nicht zu benutzen.
  • Habe ich einen Arzt, der mir sagt, was gesund für mich ist, dann brauche ich meinen Verstand nicht zu benutzen.

 

Ich brauche nicht die mühsame Aufgabe des Denkens zu leisten, wenn andere Leute es für mich tun. Außerdem halten die meisten Menschen (besonders die Frauen) es nicht nur für anstrengend, sondern auch für gefährlich, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Sie wurden von den Menschen, die sie kontrollieren, so erzogen. Wie die Tiere im Stall werden sie behandelt von ihren Herren. Zuerst sind diese ruhigen Tiere im Dunkeln des Stalles eingesperrt. Sie sind es nicht gewohnt, auf der Wiese zu grasen. Ihnen wird gesagt, welche Gefahr droht, wenn sie den Stall verlassen würden. In Wirklichkeit gibt es aber gar keine Gefahr. Sie würden vielleicht zunächst stolpern und fallen. Aber nach kurzer Zeit hätten sie gelernt, allein auf der Wiese zu gehen und das grüne Gras zu fressen. Doch die Angst vor dem Stolpern und dem Fallen verhindert, dass die Tiere es versuchen.

Viele Menschen haben es verlernt, ihren eigenen Verstand zu benutzen

Es ist also für jeden Menschen schwer, sich aus der Unmündigkeit, die er für unvermeidlich hält, herauszuarbeiten. Viele Menschen fühlen sich in diesem Zustand wohl. Sie haben es verlernt, ihren eigenen Verstand zu benutzen, weil man es ihnen noch nie erlaubt hat. Vereinfachte Wahrheiten, ständig wiederholte Formeln, die die Welt erklären sollen und zu denen man sich bekennen muss, sind die Fesseln der Menschen, die sie in ihrer Unmündigkeit festhalten. Wenn man sich von ihnen befreit und frei bewegt, dann werden die ersten Bewegungen sehr mühevoll und unsicher sein, weil man nicht gewohnt ist, die neue Bewegungsfreiheit zu nutzen. Deswegen gibt es nur sehr wenige, die es schaffen, sich selbst von den Fesseln zu befreien und einen sicheren Gang zu entwickeln.

Aber es gibt eine andere Möglichkeit. Die ganze Gesellschaft kann sich zu einer aufgeklärten Gesellschaft entwickeln, wenn die Freiheit der Menschen nicht zu sehr eingeschränkt wird. Denn auch unter den Menschen, die andere Menschen kontrollieren, gibt es welche, die es gelernt haben, ihren eigenen Verstand zu benutzen. Sie haben erkannt, dass es für die eigene Entwicklung und die Entwicklung der Gesellschaft gut ist, wenn die Menschen ihren eigenen Verstand benutzen. Sie werden wahrscheinlich von den Menschen, die noch vor kurzem von ihnen kontrolliert wurden, kritisiert werden. Denn diese können den Wert der Aufklärung nicht sehen. Außerdem werden die anderen Herrschenden, die nicht zur Aufklärung fähig sind, es verhindern wollen, dass die Menschen ihren eigenen Verstand bedienen. Es ist also niemals gut, auf der Suche nach der Wahrheit zu glauben, dass man die Antworten auf die Fragen des Lebens schon kennt. Denn dadurch entsteht nur die Unfähigkeit zu lernen. Man sollte keine Meinung als richtig oder falsch bezeichnen, wenn man sie nicht durch seinen eigenen Verstand überprüft hat. Wenn man stattdessen nur die eine Seite der Wahrheit akzeptiert und Vorurteile gelten lässt, besteht immer die Gefahr, dass man irgendwann auf der falschen Seite steht und Rache geübt wird. Daher kann ein Volk nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird es vielleicht gelingen, dass ein System, das die Menschen ausbeutet und unterdrückt, zu besiegen, aber es wird dadurch niemals eine wahre Reform der Denkweise erreicht. Denn alte und auch neue Vorurteile werden die Gedanken der Revolutionäre leiten.

Die Freiheit, die man für die Aufklärung braucht, ist die ungefährlichste Freiheit

Für die Aufklärung braucht man also nichts anderes als Freiheit. Freiheit mag nicht immer gut sein und birgt auch Gefahren. Die Freiheit, die man für die Aufklärung braucht, ist jedoch die ungefährlichste Freiheit. Es ist die Freiheit, von seinem Verstand in jeder Hinsicht öffentlichen Gebrauch zu machen. „Nein, nein, nein“, höre ich von allen Seiten „Das ewige räsonieren bringt uns doch keinen Schritt weiter.“

  • Der Offizier sagt: „Ihr sollt nicht denken, ihr sollt marschieren.“
  • Der Buchhalter sagt: „Ihr sollt nicht denken, ihr sollt bezahlen!“
  • Der religiöse Führer sagt: „Ihr sollt nicht denken, ihr sollt glauben!“

Überall wird die Freiheit zum Denken eingeschränkt und man muss sich in seiner Rolle in der Gesellschaft verhalten. Viele dieser Einschränkungen der Freiheit sind auch tatsächlich notwendig, weil jeder Mensch nur ein kleiner Teil eines größeren Gesellschaftsgefüges ist. Menschen haben ihre Rolle in der Gesellschaft, die sie ausfüllen müssen. Deswegen stellt sich die Frage, welche Einschränkungen der Freiheit sinnvoll sind und welche nicht. Ich antworte: Man muss trennen zwischen dem öffentlichen Gebrauch seines Verstandes, der der Wahrheitsfindung dient und dem privaten Gebrauch, der durch die persönliche Rolle in der Gesellschaft eingeschränkt ist. Die Einschränkung dieses privaten Gebrauchs ist für den Fortschritt der aufgeklärten Gesellschaft kein Hindernis.

In der Weltbürgergesellschaft kommunizieren die Gelehrten durch ihre Werke

Für das gesamtgesellschaftliche Interesse ist es in einigen Fragen notwendig und wichtig, dass die Bürger eines Staates sich passiv verhalten und den Anweisungen der Regierung folgen. Wenn man dies nicht tut, gefährdet man die Interessen der Gemeinschaft und die Regierung kann und wird versuchen dies zu verhindern. Als Teil einer Gesellschaft ist es in mancher Hinsicht also wichtig, dass man auf das Denken verzichtet und sich der herrschenden Meinung unterordnet. Aber jeder Mensch ist nicht nur ein Teil dieser Maschinerie, sonder gleichzeitig auch ein Mitglied einer viel größeren Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist die Weltbürgergesellschaft, in der ein Gelehrter durch seine Werke mit anderen Menschen kommuniziert. Hier sollte jeder Mensch seine rational begründete Meinung frei äußern können, auch wenn sie nicht der herrschenden Mehrheit der Menschen seiner Gesellschaft entspricht. Wenn einem Offizier im Dienst etwas befohlen wird, dann darf er den Befehl nicht hinterfragen, sondern er muss ihn ausführen. Aber wenn der Kampf vorüber ist, dann muss es dem Offizier erlaubt sein, Anmerkungen zu machen über die Fehler, die im Kriegseinsatz gemacht wurden. Es muss erlaubt sein, dass er seine wohl begründete Meinung veröffentlicht und anderen Menschen zur Beurteilung vorlegt.

Ein Bürger muss seine Steuern bezahlen. Wenn er dazu aufgefordert wird, dann ist es sogar strafbar, falls er es nicht tut und er muss bestraft werden, wenn er dies nicht den Gesetzen entsprechend handelt. Aber in einer gerechten, aufgeklärten Gesellschaft ist es ihm erlaubt, nach der Bezahlung seiner Steuern, öffentlich die Höhe der Steuern zu kritisieren. Ein Geistlicher, der die Aufgabe übernommen hat, eine Gemeinde zu leiten, muss sich an die Regeln und Sitten der Religion halten, denn dies ist Teil seines Auftrages. Allerdings muss ihm die Freiheit gegeben sein, sich in der Öffentlichkeit Gedanken über die Verbesserung des Religions- und Kirchenwesens zu machen.

In der Trennung zwischen dem öffentlichen Gebrauchs seines Verstandes und dem privaten in seiner Rolle in der Gesellschaft besteht kein Widerspruch. Wenn ein Geistlicher in der Kirche in seiner Rolle als Amtsträger funktioniert, dann vertritt er die Meinung der Kirche, die vielleicht nicht in jeder Hinsicht seinen eigenen Gedanken entspricht. Vielleicht ist er sogar in einigen Punkten vollkommen anderer Meinung. Trotzdem muss er die Gedanken der Kirche lehren, denn er arbeitet für sie. Er wird versuchen, das Beste aus dieser Lehre zu machen, die in seinen Augen vielleicht gar nicht richtig ist. Die Ansicht, die er als Amtsträger vertritt, wird aber wahrscheinlich nicht grundsätzlich seiner Auffassung von der richtigen Religion widersprechen, denn sonst würde er sich nicht für die Aufgabe des Amtes verpflichtet haben. Wenn das Amt nicht mit seinem Gewissen vereinbar ist, müsste er es aber niederlegen.

Als Priester ist diese Person in ihrer freien Meinungsäußerung also eingeschränkt. Als öffenliche Person jedoch, die an dem Wohl der viel größeren Gemeinschaft interessiert ist, muss sie jedoch eine uneingeschränkte Freiheit genießen, ihren  eigenen Verstand benutzen zu dürfen. Denn es ist nicht einzusehen, dass die Menschen, die dem Volk übergeordnet sind, sich selbst unter die Herrschaft einer Weltanschauung oder die Herrschaft anderer Menschen stellen sollen.

Die Menschen haben kein Recht, die Menschen in den folgenden Generationen auf einen Weg festzulegen

Nun könnte man die Frage stellen, ob es nicht sinnvoll ist, dass sich eine Gesellschaft auf eine Ideologie einigt und diese Ideologie für alle Zeiten festschreibt und für alle Mitglieder der Gesellschaft verbindlich macht? Ich sage: Das ist ganz unmöglich. Eine solche Einigung, welche die Menschen an dem Fortschritt der Gesellschaft durch Aufklärung hindert, ist niemals rechtmäßig zu begründen. Und auch wenn alle Gerichte und Institutionen sich auf so eine Vereinbarung geeinigt haben, ist es doch ein Vertrag, der nicht den natürlichen Rechten des Menschen entspricht. Die Menschen, die in einem Zeitalter leben, haben kein Recht dazu, die Menschen in den folgenden Generationen auf einen bestimmten Weg festzulegen. Denn dann wäre man nicht fähig, die alten Irrtümer zu beseitigen und die Erkenntnisse zu erweitern. Das wäre ein Verbrechen gegen die menschliche Natur, deren Bestimmung der Fortschritt ist. Die Nachkommen sind daher dazu berechtigt, solche Beschlüsse nicht anzuerkennen und stattdessen den Weg zu gehen, der auf dem eigene Denken begründeten und der Fortschrittlichkeit verpflichtet ist.

Es wäre allerdings möglich, dass sich ein Volk vorübergehend eine gewisse Ordnung und Ideologie selbst gibt, die so lange gilt, bis man eine bessere gefunden hat. Währenddessen muss es aber den Gelehrten erlaubt sein, öffentlich über eine bessere Ordnung nachzudenken und über die Ideologie zu diskutieren. Wenn die Diskussion dann zu Ergebnissen geführt hat und viele Menschen der Ansicht sind, dass man der Regierung öffentliche Reformvorschläge für eine bessere Gesellschaft unterbreiten kann, dann sollte das auch geschehen. Diejenigen, die die alte Ordnung behalten möchten, sollten das Recht haben, gehört zu werden. Aber auch die, die einen Verbesserungsvorschlag gemacht haben, sollten nicht unterdrückt werden. Ein Menschleben ist zu kurz, um sich auf eine allein gültige, ideologische Auffassung zu einigen, die von niemandem öffentlich bezweifelt werden darf. Dadurch würde man den gesellschaftlichen Fortschritt aufhalten und die Chancen vernichten, dass sich die Gesellschaft verbessert. Das ist nicht gerecht gegenüber den Nachkommen und daher nicht zulässig.

Ein einzelner Mensch kann für eine gewisse Zeit die Aufklärung verschieben. Aber völlig darauf zu verzichten und diesen Verzicht für die Nachkommen festzuschreiben ist eine Handlung, die eines Menschen nicht würdig ist. Wenn aber nicht einmal das Volk eine Festlegung auf einen ideologischen Weg beschließen darf, weil sie damit die Chancen für eine bessere Gesellschaft verringert, dann dürfen die Regierenden es sicherlich auch nicht. Die Rechtmäßigkeit einer Regierung besteht schließlich gerade darin, dass sie die Interessen des Volkes vertritt und den Willen des Volkes repräsentiert. Die Regierenden müssen also darauf acht geben, dass die Verbesserungsvorschläge auch wirklich im Sinne einer besseren Ordnung sind. Die Regierenden sind jedoch keinesfalls dafür verantwortlich, welchen Weg sich ein Volk aussucht. Es ist der Weg des Volkes. Stattdessen sind sie dafür verantwortlich, dass keine Macht das Volk gewalttätig daran hindert, diesen Weg zu gehen. Eine Regierung sollte nicht versuchen, die Schriften, die sich mit der Verbesserung der Gesellschaft beschäftigen zu kontrollieren und zu zensieren. Diese Einsicht hatten schon die Römer. Und niemals sollten die Regierenden versuchen, diejenigen Kräfte in einem Staat zu unterstützen, die einen Vorteil davon haben, wenn die Menschen es lassen, ihren eigenen Verstand zu bedienen.

Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung

Wenn man jetzt die Frage gefragt wird: „Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter?“, dann lautet die Antwort: „Nein, wir leben wohl in einem Zeitalter der Aufklärung.“ Es ist so, dass die meisten Menschen in diesem Land nicht in der Lage sind, ideologische Fragen mit Hilfe ihres eigenen Verstandes zu verstehen, ohne dabei angeleitet zu werden. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Aber es ist ihnen der Weg geöffnet worden und sie beginnen die ersten Schritte zu gehen. Die Hindernisse zu einer selbstbestimmten, aufgeklärten Gesellschaft auf dem Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit werden allmählich weniger werden, dafür gibt es deutliche Anzeichen. In Anbetracht dessen ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung, oder das Jahrhundert Friedrichs.

Friedrich ist ein Herrscher, der es unwürdig findet, den Menschen vorzuschreiben, was sie in ideologischen Fragen denken sollen. Er gibt ihnen in diesen Fragen die volle Freiheit. Nicht nur, dass er es nicht nur erlaubt, nein, er fordert es, dass die Menschen sich ihre Meinung selbst bilden. Er verdient den Respekt und den Dank der Nachwelt, dass er jeden Untertanen dazu ermutigt hat, sich in ideologischen Fragen seines eigenen Verstandes zu bedienen. Geistliche dürfen sich fragen, ob die Lehre, die sie vertreten, die richtige und wahre ist. Aber nicht nur diejenigen, die durch ein Amt eine Rolle ausfüllen, unterstützt Friedrich. Gerade die Bürger, die kein Amt ausüben, ermutigt Friedrich, ihren Verstand zu benutzen. Dieser Geist der Freiheit breitet sich auch an anderen Orten aus. Selbst da, wo Regierungen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, es zu verhindern versuchen. Denn es wird immer deutlicher, dass in freiheitlichen Gesellschaften niemand sich um die Stabilität, den inneren Frieden und die Einigkeit des Staates Sorgen machen muss. Die Menschen arbeiten sich aus eigener Kraft aus der Unfähigkeit zu denken heraus, wenn man ihnen die Möglichkeiten dazu gibt.

Nur eine Regierung, die stark und stabil ist, kann den Bürgern viel Freiheit geben

Ich habe den Schwerpunkt meiner Analyse der Aufklärung als Ausgang des Menschen aus seiner unverschuldeten Unmündigkeit bei dem Thema Ideologie gesetzt. Denn bei den Künsten und bei der Wissenschaft sind unsere Herrscher weniger streng in ihrer Kontrolle. Die ideologische Unmündigkeit ist auch wohl die schädlichste. Aber es ist nicht nur die ideologische Ausrichtung, über die man in einem Staat problemorientiert diskutieren sollte. Auch beim Thema der Gesetzgebung sollte es dem Volk erlaubt sein, Kritik zu üben und Veränderungen vorzuschlagen. Auch in diesem Bereich hat Friedrich seinen Bürgern viel Mitsprache-Recht gegeben.

Aber nur die Regierung, die aufgeklärt ist und die stark und stabil genug ist, die öffentliche Sicherheit zu garantieren, kann den Bürgern so viel Freiheit geben. Nur wenn die Menschen in ihrer Rolle den Anweisungen folgen, ist die Stabiliät und die Sicherheit in einem Land garantiert. Nur dann kann die Regierung sagen: „Denkt so viel ihr wollt und worüber ihr wollt. Aber führt zunächst die Befehle aus!“ Es klingt paradox, aber es trifft den Kern der Wahrheit. In ihrem täglichen Leben sind die Menschen an ihre Rolle gebunden und nicht unbedingt frei. Sie schränken ihre eigene Gedankenwelt ein und verhalten sich konform. Aber genau dadurch garantieren sie die Sicherheit, die es erlaubt, als Denkender die Freiheit des Geistes zu nutzen und die Gesellschaft zu verbessern.

So kann sich die Freiheit des Geistes ausbreiten und der Mensch kann das nutzen, was ihm von Natur aus gegeben ist und was ihn vom Tier unterscheidet: Der Wunsch und die Fähigkeit zum freien Denken. Die Freiheit im Denken kann sich dann auf die Freiheit im Handeln auswirken. Auf diesem Wege können sich auch die Grundsätze der Regierung verändern, die dann feststellen wird, dass es nur in ihrem eigenen Interesse ist, den Mensch nicht als Maschine zu behandeln, sondern seine Würde zu achten.

Links im Internet:

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/audio56182-popup.html

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/audio56044-popup.html